Gedichte, Gebete, Andachten


Foto: Werner-Malte Hahn

Ich glaube,
dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage
soviel Widerstandskraft geben will,
wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im Voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst,
sondern allein auf ihn verlassen.

In solchem Glauben müsste alle Angst
vor der Zukunft überwunden sein.

Ich glaube,
dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind,
und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden,
als mit unseren vermeintlichen Guttaten.

Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Fatum ist,
sondern dass er auf aufrichtige Gebete
und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

Dietrich Bonhoeffer
(aus Widerstand und Ergebung) 

 


 

So kannst Du wachsen:
Wenn jeden Morgen, den Du wach wirst,
Dir ein Grund einfällt,
doch gerne aufzustehen;
wenn mittags Du Dir gönnst
den Moment des Innehaltens und Bedenkens,
was jetzt wirklich wichtig ist;
und wenn am Abend vor dem Schlafengehn
Du ein paar Dinge weißt,
für die Du dankbar bist.

Wenn immer öfter Du dabei
den Augenblick entdeckst
als Zeit,
am Leben Dich zu freuen
und JA zu sagen oder NEIN –
wenn Du so spüren kannst
das Glück zu leben.

Wenn auch in schweren Stunden
Dich das Vertrauen trägt:
Du bist gewollt und bleibst gehalten,
und unter Dir ist unsichtbar
ein Netz gespannt –
Bleib gut behütet!

© Dieter Steves


 

Gefunden von Catrin auf https://www.muenchen-evangelisch.de/, ausgewählt von der Münchner Stadtdekanin Barbara Kittelberger:

Welcher Engel wird uns sagen

„welcher Engel wird uns sagen
dass das Leben weitergeht
welcher Engel wird wohl kommen
der den Stein vom Grabe hebt
wirst du für mich
werd ich für dich
der Engel sein

welcher Engel wird uns zeigen
wie das Leben zu bestehn
welcher Engel schenkt uns Augen
die im Keim die Frucht schon sehn
wirst du für mich
werd ich für dich
der Engel sein

welcher Engel öffnet Ohren
die Geheimnisse verstehn
welcher Engel leiht uns Flügel
unsern Himmel einzusehn
wirst du für mich
werd ich für dich
der Engel sein“

Wilhelm Willms

 


 

Eine Kurz-Andacht, gefunden von Michaela:

Gott stellt mir einen unvorstellbar großen Korb mit Wolle hin, alle Farben, alle Sorten, Nadeln in jeder Größe - das Dumme ist, stricken muss ich ganz alleine. Ich muss Masche an Masche setzen, manche rutschen leicht, andere fallen herunter, manche finde ich überhaupt nicht wieder. Ich kombiniere Farbe und Muster. Aber dass ich überhaupt stricken kann, dass ich Materialien dazu habe, das ist ein Geschenk. Dabei bekommt jeder von uns solch einen Korb mit Wolle, aber keiner besitzt die ganze Auswahl. Der eine hat keine rote Farbe, dem anderen fehlt das dicke Garn, mit dem er so herrlich schnell vorankommt. Aber jeder hat seinen Korb mit Wolle - und der ist voll, übervoll. Ich kann davon, von diesem Korb mit Wolle sogar anderen abgeben - mein Leben mit anderen teilen.

Für eine solche Art zu leben, muss ich mich aber bewusst entscheiden.

Es ist sicher anstrengender, als sich leben zu lassen, mühsamer, als mit zu schwimmen im Strom. Aber ich denke, es ist auch um vieles reicher, voller, dichter, schöner und aufregender. Wert - gelebt zu werden... Wert - von mir und dir gelebt zu werden. Masche für Masche stricke ich mir mein Leben zurecht. Dunkles wechselt mit Hellem, dünner und brüchiger Faden mit dicker und fester Wolle. Seltsame, einzigartige Muster entstehen, manchmal auch hübsche und interessante.

So ist mein Leben. Mein Leben ist ein Geschenk. Was ich daraus mache, liegt an mir.

Stricke deinen Lebensfaden

Wir alle stricken unser Leben jeden Tag ein Stück weiter. Die einen stricken liebevoll und sorgsam; man merkt, welche Freude es ihnen bereitet, ihr "Lebenswerk" zu gestalten. Die anderen stricken mühevoll und ungern. Man merkt, welche Kraft und Mühe es sie kostet, ihren Lebensfaden jeden Tag neu aufzunehmen.

Manche wählen ein kompliziertes Muster, andere ein ganz schlichtes. Bei den einen ist es ein buntes Maschenwerk, bei anderen ein Stück in tristen Farben.

Nicht immer können wir die Farbe selber wählen, und auch die Qualität der Wolle wechselt: mal weiß und flauschig weich, mal grau und kratzig. Und öfters lässt man eine Masche fallen, oder sie fallen ohne unser Zutun, und zurück bleiben Löcher und ein unvollständiges Muster. Manchmal reißt der Faden und es hilft nur ein Knoten.

Wenn wir unser Leben betrachten, wissen wir genau, welche Stellen das sind. Und oft geschieht es, dass einer sein Strickzeug in die Ecke wirft.

Es bleibt uns verborgen, wie viel Lebensfaden wir noch zu verstricken haben. Aber wir haben die Nadeln in der Hand, können das Muster wechseln, die Technik und das Werkzeug. .

Aber wie es auch geworden sein mag, das Strickwerk unseres Lebens, in Gottes Augen ist es einmalig und kostbar. Unter seinem liebevollen Blick lösen sich Knoten und Verdrehungen, wird Fehlendes ergänzt, verwandeln sich Laufmaschen in Muster. Mit sicherer Hand fügt er unser Strickzeug ein ins große wunderbare Schöpfungsmuster.

 


 

Ein Anstoß von Oli:

Ich bat Gott um
viele Dinge,
damit ich das Leben
genießen könnte.
Gott gab mir das Leben,
damit ich alle
Dinge genießen kann.

© Gertrud von le Fort

 


 

Eine Leseempfehlung von uns Dreien:

Zuvielitis

Zu viele Dinge.
Zu viele Pläne und Wünsche.
Zu viel gleichzeitig.
Ich will zu viel vom Leben.
Es ist nie genug.
Und ich tu so, als hätte ich ewig Zeit …

Nötig wäre: Loslassen, Fasten,
Konzentration aufs Wesentliche.
Täglich neu fragen:
was ist heute wichtig?
Und das Wichtigste dann auch wirklich tun –
und anderes ganz bewusst lassen.
An dieser kleinen Wichtigkeit
lieber heute beherzt scheitern als
das Wichtigste auf morgen verschieben.

Morgen kann ich
– wenn’s mir vergönnt ist –
es neu versuchen.

© Dieter Steves